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„Viel phantastische Musik“ Orgelkonzert 04.10.20 / 17:00

4. Oktober 2020 / 17:00 - 18:30

- 5€ – 12€

Der Stylus Phantasticus – eine klingende Zeitreise mit virtuosen Werken: von Jan Pieterszoon Sweelinck bis zum jungen Johann Sebastian Bach

Babett Hartmann, Kopenhagen – Orgel

Schon der bedeutende Gelehrte Athanasius Kircher, den manche als den „letzten Mann, der alles wusste“ bezeichnen, war 1650 tief beeindruckt vom Stylus phantasticus , jener Kompositionsmethode, die größte Freiheit im freien Fließen ausdrucksstarker Melodien suchte, die sich zu grellen Dissonanzen ballen können, ein Stil, der schöpferisches Talent zu entfalten sucht in nie dagewesener Weise, ohne Beschränkungen durch Text oder festgelegte Harmonien. Hier können sich so recht faszinierende Klangwelten entfalten – zumal, wenn sie auf der „Königin der Instrumente“ musiziert werden.

Der norddeutsche Stylus Phantasticus

Stylus Phantasticus: „Der Stylus Phantasticus ist die allerfreieste und ungebundenste Setz-Sing- und Spiel-Art, die man nur erdencken kan, da man bald auf diese bald auf jene Einfälle geräth, da allerhand sonst ungewöhnliche Gänge, versteckte Zierrathen, sinnreiche Drehungen und Verbrämungen hervorgebracht werden, ohne eigentliche Beobachtung des Tacts und Tons; bald hurtig bald zögernd; bald ein- bald vielstimmig; bald auch auf eine kurze Zeit nach dem Tact: ohne Klang-Maasse; doch nicht ohne Absicht zu gefallen, zu übereilen und in Verwunderung zu setzen.“ (Johann Mattheson, 1681-1764)

 von Babett Hartman, August 2020

Jan Pieterszoon Sweelinck wurde nicht umsonst  “der Organistenmacher” genannt, denn er hat einen Großteil des Organistenstammes ausgebildet, der später Grundlage für den damals neuen norddeutschen Orgelstil war, dem Stylus Phantasticus.

Sweelinck wuchs in Amsterdam auf und wurde von seinem Vater ausgebildet, der Organist in der Oude Kerk war. Der Vater starb als Sweelinck 11 Jahre alt war. Deshalb bekam er dann auch vermutlich Unterricht von anderen Organisten innerhalb und außerhalb von Amsterdam. Gleichzeitig beschäftigte er sich selbst mit der Musiktheorie der italienischen Komponisten, wie z.B. Gioseffo Zarlino, den er auch später viel als Beispiel in seinem Unterricht benutzte.

Sweelinck wurde mit 15 Jahren Nachfolger seines Vaters in der Oude Kerk. Zu diesem Zeitpunkt wurde er schon als hervorragenden Organisten mit einer überraschend ausgereiften Technik angesehen und seine Begabung zur Improvisation sehr geschätzt. Er spielte und improvisierte mindestens einmal pro Tag für die Öffentlichkeit auf seinen zwei Orgeln und war nach kurzer Zeit der bestbezahlte Organist in Holland. Sein guter Ruf verbreitete sich bei den Organisten über ganz Europa und Viele kamen nach Amsterdam, um bei dem sogenannten „Orfeus von Amsterdam“ Unterricht zu nehmen und ihn auf Cembalo und Orgel improvisieren zu hören. Sweelinck  komponierte viele Orgelwerke und Vokalmusik. Sein Kompositionsstil verbindet den englischen und italienischen Stil und war eine Übergangsfigur zwischen Renaissance und Barock. Er war einer der Ersten, der den Vorläufer zur Orgelfuge komponierte und hatte damit einen großen Einfluss auf die norddeutsche Orgelschule im 17. Jhd. Einer seiner Schüler war der begabte Heinrich Scheidemann.

Scheidemann erhielt seinen ersten Orgelunterricht von seinem Vater, der Organist in der Katharinenkirche in Hamburg war. Von 1611-1614 studierte er in Amsterdam bei Sweelinck. Dieser Aufenthalt wurde ihm vom Gemeinderat der Katharinenkirche bezahlt. Das Stipendium war ein Wunsch aller Hauptkirchen in Hamburg und sollte garantieren, dass alle zukünftigen Organisten eine gute Ausbildung erhielten. Im Jahr 1629 übernahm er schließlich das Organistenamt seines verstorbenen Vaters in der Katharinenkirche in Hamburg. Er war ein herausragender und wohlangesehener Musiker, der Sweelincks und den alten norddeutschen Stil zusammenbrachte. Durch seinen guten Ruf und Bekanntheitsgrad als Orgelkomponist hatte er viel Einfluss auf das Musikleben in Hamburg und in Norddeutschland.

Ein anderer bekannter Schüler Sweelincks war Jacob Praetorius der Jüngere. Auch er bekam seinen ersten Unterricht auf der Orgel von seinem Vater Hieronymus Praetorius, der Organist an der Hauptkirche in Hamburg, St. Jakobi, war. Jacob Praetorius bekam die Stelle an der St. Petri-Kirche in Hamburg als er 18 Jahre alt war. Zwei Jahre später ging er zum Studium zu Sweelinck nach Amsterdam und war vermutlich einer seiner ersten Schüler. Prætorius komponierte hauptsächlich Motetten, Orgelwerke und Musik für Instrumentalensembles. Auch er war ein angesehener Lehrer für Orgel und Komposition und unterrichtete u.a. Matthias Weckmann.

Matthias Weckmann begann seine musikalische Karriere als Knabensopran in der Dresdner Hofkapelle, wo Heinrich Schütz die gesamte Musik des Hofes und die Ausbildung des Jungen überwachte. Im Jahr 1633 brachte Schütz Weckmann persönlich nach Hamburg, wo er bei Jacob Prætorius studieren sollte. Dort traf er auch auf Heinrich Scheidemann. Um 1636 kehrte er nach Dresden zurück und wurde Organist an der kurfürstlichen Schlosskapelle. Ein Jahr später reiste er zum ersten Mal an den Hof in Kopenhagen zusammen mit der kurprinzlich-sächsischen Kapelle. 1642 wurde die Reise wiederholt und Weckmann wurde obendrein als Kapellmeister am Prinzenhof in Nykøbing vom Kronprinzen Christian, dem Schwiegersohn des sächsischen Kurfürsten, berufen. Als der Prinz 1647 starb, ging Weckmann wieder zurück nach Dresden auf seine alte Stelle. 1655 wurde er Organist in der St. Jacobikirche in Hamburg, aber hatte immer noch Kontakt nach Dresden. In Hamburg gründete er, zusammen mit anderen führenden Musikern der Stadt, das Hamburger Collegium musicum. Es ist nicht sicher, in wie fern Weckmann wirklich der Lehrer von Tunder war, aber die beiden kannten sich und Weckmann war ein angesehener Lehrer zu seiner Zeit.

Franz Tunder wurde in Lübeck geboren. Als Hoforganist bei Friedrich III. am Schloss Gottorf bekam er die Möglichkeit, sich in Musikteorie und dem Stylus Phantasticus weiter zu entwickeln. Tunders Kompositionsstil ist bekannt dafür, dass er, als einer der Ersten, die typische Aufteilung der norddeutschen Orgeltoccata formte und einführte. Später wurde er Organist in der Marienkirche zu Lübeck und hielt diese Stelle inne bis zu seinem Tod. Dort führte er die heute noch wohlbekannten Abendmusiken ein. Es ist bekannt, dass er Weckmann bei dessen Hochzeit in Lübeck traf, wo Tunder Weckmanns Trauzeuge war. Die beiden müssen sich also gut gekannt haben. Tunder war der Vorgänger und Schwiegervater (und vielleicht auch Lehrer/ Mentor) von Dietrich Buxtehude. Leider sind die meisten seiner Werke im Laufe der Zeit verloren gegangen.

Dietrich Buxtehude wuchs in Helsinborg (heute Schweden) auf, wo sein Vater der Organist in der Skt. Maria Kyrka war. Später bekam der Vater die Anstellung in Helsingør (heute Dänmark) in der St. Olai kirke. Buxtehude verbrachte seine Kindheit in Helsingør. Er bekam wohl seinen ersten Orgelunterricht vom Vater und wurde mit 20 Jahren Organist in Helsingborg. 1660 bekam er die Stelle in der St. Mariæ kirke in Helsingør. Die Kirche war hauptsächlich für die deutsche Gemeinde gedacht, weshalb sich Buxtehudes guter Ruf als Orgelvirtuose schnell bis nach Deutschland verbreitete. Als die anerkannte Stelle in der St. Marienkirche in Lübeck frei wurde, da der vorherige Organist, Franz Tunder, starb, bewarb sich Buxtehude 1668 und bekam die Stelle. Er heiratete Tunders jüngste Tochter, wie es Tradition war, wenn man die Stelle vom Vorgänger übernahm. Buxtehude wird als wichtigster Vertreter der norddeutschen Orgelschule angesehen und als einer der bedeutendsten Orgelkomponisten des Stylus Phantasticus.   

Über Babett Hartmann

Babett Hartmann wurde in Zeitz geboren und lebt seit 2007 in Kopenhagen/ Dänemark. Sie studierte Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, im Hauptfach Orgel bei Thomasorganist Prof. Ullrich Böhme und am Königlich Dänischen Musikkonservatorium in Kopenhagen, im Hauptfach Orgel bei Prof. Hans Fagius. Dort spezialisierte sie sich auch auf Chorleitung und schrieb ihre Masterarbeit über „Die Interpretation englischer Chormusik im 17. Jahrhundert“, mit CD-Einspielung.

Später setzte sie ihr Studium in Kopenhagen in der Orgel-Solistenklasse bei Prof. Hans Fagius fort und schloss dieses im Februar 2013 mit einem Debütkonzert, spannend von alter bis neu komponierter Musik, erfolgreich ab. Anschließend absolvierte sie ein Master-Studium im Fach Cembalo/ Alte Musik bei Ketil Haugsand, ebenfalls in Kopenhagen. Dieses schloss sie mit Werken aus vier Ländern ab: Frankreich, England, Italien, Deutschland und auf drei verschiedenen Instrumenten: frühes italienisches, hochbarockes französisches und barockes niederländisches Cembalo. Ihre Masterarbeit schrieb sie über „Die leitende Rolle des Cembalisten im Barockorchester“, mit eingespieltem Videomaterial.

Babett Hartmann übt eine rege Konzerttätigkeit in ganz Europa aus, als Konzertorganistin, Cembalistin und mit diversen Alte Musik Ensembles, wie Ensemble Rost und Ensemble Barocca und dem modernen Cembalo-Percussion-Ensemble Akra. Seit April 2011 war sie als Organistin und Kantorin an der Grundtvigs Kirche in Kopenhagen tätig. Seit Juli 2020 ist sie Organistin an der Vaerløse Kirche.

Babett Hartmann ist aktiv im Odense Barockfestival/ Dänemark als Teil der musikalischen Festivalleitung tätig und leitet das Odense Barockorchester und –Chor. Sie ist ebenfalls die musikalische Leiterin des Förderverein Musikfreunde EULE-Orgel Zeitzer Dom e.V. und organisiert dort die jährliche Orgelkonzertreihe.

Babett Hartmann wurde in Zeitz geboren und lebt seit 2007 in Kopenhagen/ Dänemark. Sie studierte Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, im Hauptfach Orgel bei Thomasorganist Prof. Ullrich Böhme und am Königlich Dänischen Musikkonservatorium in Kopenhagen, im Hauptfach Orgel bei Prof. Hans Fagius. Dort spezialisierte sie sich auch auf Chorleitung und schrieb ihre Masterarbeit über „Die Interpretation englischer Chormusik im 17. Jahrhundert“, mit CD-Einspielung.

Später setzte sie ihr Studium in Kopenhagen in der Orgel-Solistenklasse bei Prof. Hans Fagius fort und schloss dieses im Februar 2013 mit einem Debütkonzert, spannend von alter bis neu komponierter Musik, erfolgreich ab. Anschließend absolvierte sie ein Master-Studium im Fach Cembalo/ Alte Musik bei Ketil Haugsand, ebenfalls in Kopenhagen. Dieses schloss sie mit Werken aus vier Ländern ab: Frankreich, England, Italien, Deutschland und auf drei verschiedenen Instrumenten: frühes italienisches, hochbarockes französisches und barockes niederländisches Cembalo. Ihre Masterarbeit schrieb sie über „Die leitende Rolle des Cembalisten im Barockorchester“, mit eingespieltem Videomaterial.

Babett Hartmann übt eine rege Konzerttätigkeit in ganz Europa aus, als Konzertorganistin, Cembalistin und mit diversen Alte Musik Ensembles, wie Ensemble Rost und Ensemble Barocca und dem modernen Cembalo-Percussion-Ensemble Akra. Seit April 2011 war sie als Organistin und Kantorin an der Grundtvigs Kirche in Kopenhagen tätig. Seit Juli 2020 ist sie Organistin an der Vaerløse Kirche.

Babett Hartmann ist aktiv im Odense Barockfestival/ Dänemark als Teil der musikalischen Festivalleitung tätig und leitet das Odense Barockorchester und –Chor. Sie ist ebenfalls die musikalische Leiterin des Förderverein Musikfreunde EULE-Orgel Zeitzer Dom e.V. und organisiert dort die jährliche Orgelkonzertreihe.

Eine Veranstaltung von Heinrich Schütz Musikfest in Kooperation mit Musikfreunde Euleorgel im Zeitzer Dom e.V.

Tickets

Preise: 12,- €, Junior: 5,- €

Ticket Reservierung (Karten werden an der Abendkasse hinterlegt): +49 34 41 53 93 90 / Mail: euleorgelzeitz@gmail.com

Hier gleich via E-Mailformular Ihre Karten reservieren

"Viel phantastische Musik" Orgelkonzert, 04.10.20 / 17:00
Bestätigung Abholung *

Details

Datum:
4. Oktober 2020
Zeit:
17:00 - 18:30
Eintritt:
5€ – 12€
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:
, ,

Veranstalter

Heinrich Schütz Musikfest
Telefon:
(0345) 524 80 533
E-Mail:
presse@schuetz-musikfest.de
Website:
www.schuetz-musikfest.de

Veranstaltungsort

Dom St. Peter und Paul
Schlossstraße 6
Zeitz, 06712
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Details

Datum:
4. Oktober 2020
Zeit:
17:00 - 18:30
Eintritt:
5€ – 12€
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:
, ,

Veranstalter

Heinrich Schütz Musikfest
Telefon:
(0345) 524 80 533
E-Mail:
presse@schuetz-musikfest.de
Website:
www.schuetz-musikfest.de

Veranstaltungsort

Dom St. Peter und Paul
Schlossstraße 6
Zeitz, 06712
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