„Der Krebs im Bache…“ – ein Doppelporträt
Axel Thielmann (Leipzig) – Sprecher
Daniel Beilschmidt (Altenburg/Leipzig) an der Eule-Orgel
„Der Krebs im Bache…“ – ein Doppelportät
Verschiedene weitere Quellen belegen die Sonderstellung, die Krebs im Schülerkreis von Bach einnahm: „Er war nicht nur ein sehr guter Orgelspieler, sondern auch ein fruchtbarer Componist für Orgel, Clavier und Kirchenmusik.Zur Bezeichnung seiner Vortrefflichkeit sagten zu seiner Zeit die witzigen Kunstliebhaber: es sey in einem Bach nur ein Krebs gefangen worden.“ (Johann Nikolaus Forkel, Bachbiograph, 1802)
Nach der Geburt 1713 in Buttelstedt und der Ausbildung als Thomaner unter Bach (seit 1726) wurde Krebs neben Bachs Söhnen bald zum schwergewichtigsten Schüler Bachs. Er war sowohl Bach-Epigone als auch origineller Neuerer im galanten und empfindsamen Stil.
1737 wurde er als Domorganist an den Zwickauer Dom St. Marien berufen. Die erfolgreiche Bewerbung um die Organistenstelle an der Dresdner Frauenkirche mit der neugebauten Silbermann-Orgel 1742 trat er nicht an. Nach einem Probespiel am 2. Januar 1743 war er 1743-1756 Domorganist in Zeitz.
Nachdem weitere Bewerbungen fehlgeschlagen waren (1750 um die Nachfolge Bachs als Thomaskantor, 1753 als Organist an der Johanniskirche Zittau und erneut 1755 als Nachfolger Gottlob Harrers als Thomaskantor) wurde Krebs am 20. Oktober zum Schlossorganisten an der Schlosskirche Altenburg berufen. Das Amt an der dort 1739 fertiggestellten Orgel des Altenburger Hof-Orgelbauers Heinrich Tobias Gottfried Trost bekleidete er bis zu seinem Tod am Neujahrstag 1780. Über die Altenburger Orgel schrieb Krebs: „Diese hiesige ist eine so schöne und vortreffliche Orgel, welche doch wenig ihresgleichen hat…“
Über Krebs‘ Dienstzeit in Altenburg hört man: „Wir haben hier 23 ganze Jahre lang das Vergnügen genossen, ihn zu hören […] Noch als Greis war er Jüngling in der Begeisterung, wenn er vor der Orgel saß.“ (J. F. Meyner, ein Bürger Altenburgs)
Das Programm zeigt Verbindungen zwischen Bach und Krebs, wobei je in Werkpaaren Bezüge zu Bachs Werkzyklen hergestellt werden.
Johann Ludwig Krebs (1713-1780)
Präludium aus der Partita VI Es-Dur, Krebs-WV 827
Johann Sebastian Bach
Es ist das Heil uns kommen her, BWV 638 – aus dem Orgelbüchlein
Johann Ludwig Krebs
Nun freut euch, lieben Christen gmein, Krebs-WV 54
Johann Sebastian Bach
Triosonate Nr. V C-Dur, BWV 529
I. Allegro
II. Largo
III. Allegro
Johann Ludwig Krebs
Fantasia sopra Herr Jesu Christ, dich zu uns wend a 2 Claviere è Pedale, Krebs-WV 524
Johann Sebastian Bach
Vater unser im Himmelreich, BWV 682 á 5, canto fermo in canone – aus dem III. Teil der Clavierübung
Johann Ludwig Krebs
Vater unser im Himmelreich, Krebs-WV 506 – aus der Clavierübung I
I. Praeambulum supra Vater unser im Himmelreich
II. Choral „Vater unser im Himmelreich“ Canto fermo in Basso
III: Choral alio modo
Johann Sebastian Bach
Präludium h-Moll, BWV 544/1
Johann Ludwig Krebs
Fantasia al gusto italiano F-Dur, Krebs-WV 422
Johann Ludwig Krebs
Präludium f-Moll, Krebs-WV 405/1
Der sprachgewaltige Sprecher Axel Thielmann wurde 1964 in Jena geboren. Nach einer Ausbildung als Agrotechniker studierte er Gesang an der Musikhochschule „Franz Liszt“ in Weimar und ist seit 1991 freischaffender Künstler, Sänger und Schauspieler.
Als Sprecher arbeitet Thielmann seit 1993 für den MDR-Hörfunk (MDR Figaro, MDR Info) und seit 1996 auch für das MDR Fernsehen, vor allem für die Magazine Plusminus, Umschau, Brisant, Hier ab vier, Dabei ab zwei, Lexi-TV, usw. Neben zahlreichen Feature- und Hörspielproduktionen für Hörfunk und Fernsehen spricht Axel Thielmann viele Hörbücher für bedeutende Verlage ein.
Mit den Klangkörpern des MDR aber auch mit renommierten Ensembles wie dem Gewandhauschor oder dem Vocalconsort Leipzig tritt er regelmäßig auf. Seit 2010 ist Axel Thielmann Autor und Moderator der beliebten Sendung „Musikalisches Sonntagsraten“ bei MDR-Figaro.
Daniel Beilschmidt wurde 1978 in Zeulenroda (Thüringen) geboren. Er Er studierte Orgel mit Konzertexamen bei Arvid Gast, Ullrich Böhme, Volker Bräutigam, Stefan Johannes Bleicher, Hans Fagius, Søren Christian Westergård, Bernhard Klapprott und Michael Kapsner in Leipzig, Kopenhagen und Weimar. Seit 2015 ist er Künstlerischer Mitarbeiter an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, seit 2009 Leipziger Universitätsorganist. 2009-2015 wirkte er als Assistenzorganist an der Thomaskirche Leipzig.
Seit 2021 ist er außerdem Altenburger Schlossorganist an der wertvollen Trost-Orgel von 1739 sowie Intendant der Internationalen Thüringischen Orgelakademie und Leiter der 2022 ins Leben gerufenen Junior-Orgelakademie Altenburg. Als Artistic Director repräsentiert er die Stadt Altenburg, die 2025 den Vorsitz im europäischen Städtenetzwerk ECHO (European Cities of Historical Organs) mit 18 Städten hatte.
Konzerte über Deutschland hinaus in Norwegen, Dänemark, Belgien, Polen, Russland, Georgien, Spanien, Portugal, Italien, Argentinien, Australien, Mexiko, der Schweiz, der Ukraine, den USA. Als Improvisator ist er in verschiedensten Kontexten von Liturgie über Tanztheater, Free Jazz, Elektroakustik etc. aktiv. 2018 Franck-Reihe in Leipzig und Gießen, seit 2020 Bach-Gesamt-Reihe in Leipzig – seit 2022 auch in Altenburg. 2022, zum 30. Todestag von Olivier Messiaen und John Cage Gesamtreihen in Leipzig.
Als Komponist: verschiedene Orgelwerke. 2019/20 entstand „Deine Nacht – Passion nach Johannes“ für Silbo-Pfeifer, Kammerensemble, Chor und Solisten (Libretto: Christian Lehnert). In der Leipziger Universitätskirche wurden „Visionen“ nach Texten der Bibel für Chor, Sopran- und Bass-Solo, zwei Orgeln und vier Instrumente (2018), „Seelenmusik“ für vier Chorgruppen, Sopran-Solo und Orgel, „TRIO“ für drei Orgeln und „MONUMENT der Liebe Christi“ für zwei Orgeln und Kristallklangschalen uraufgeführt. Im Auftrag des Heinrich Schütz Musikfestes 2025 entstand „Stimmen“ für drei Chorgruppen, Vokalensemble, Barockensemble und Orgel.
2013 erschien die Debüt-CD mit Messiaens „Méditations sur le Mystère de la Sainte Trinité“, aufgenommen an Messiaens langjähriger Wirkungsstätte, der Èglise de la Sainte Trinité in Paris. 2017 gab es den Preis der deutschen Schallplattenkritik für „Fortuna desperata“ mit Orgelmusik aus Gotik und Renaissance. 2025 erschien Beilschmidts erste Aufnahme an der Altenburger Trost-Orgel mit Bachs „Orgelbüchlein“.


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